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Das Geheimnis, Saat zum Keimen zu bringenUm die Aussaat der Chilisaat geht es in unserem Crash-Kurs für Chili-Gärtner, Teil 2. Das Keimen von Saat ist so eine Sache für sich, und oft ist es mit Tücken verbunden.
Chili-Saat Die Samenkapseln von Baobob zum Beispiel, Afrikas erstaunlichem "Baum des Lebens", können für Jahrhunderte der rauhen Savanne trotzen, ohne dass etwas passiert. Erst wenn ein Elefant sie frisst und wieder ausscheidet, geht die Saat auf und wächst zu einem neuen Baum heran. Ähnlich sieht es bei Chilis aus. Die Ur-Chilis verdanken den Vögeln nicht nur ihre Verbreitung, sondern sie bekamen von ihnen auch gleich noch die richtige Portion Stickstoff-Dünger mit auf den Weg. Und im Darmtrakt wurde die harte Samenschale gerade soweit aufgeweicht, dass das Keimen begünstigt wurde. Genial! Auch bei Chiltepin, jener wildwachsenden Chilisorte also, die der wilden Urform noch am ähnlichsten ist, lässt sich das Zusammenspiel der Natur beobachten: In ihrer Heimat, der mexikanischen Sonora-Wüste sowie den angrenzenden US-Bundesstaaten New Mexico, Texas und Arizona, sind die kleinen roten Beeren bei Vögeln beliebt. Sie fressen die Früchte und setzen sich dann zur Siesta in die Mesquite-Bäume, die einzigen Schattenspender in der schier endlosen Wüstenregion mit der gnadenlosen Sonne. Und nur hier im Schatten der Bäume finden die ausgeschiedenen Samen ein wenig Feuchtigkeit, die sie zum Keimen (und später zum Wachsen) ebenfalls benötigen.
Wildwachsende Chiltepin, bekannt für schwieriges Keimen Nun hat sich dieser Keim-Mechanismus in Jahrtausenden auf dieses Zusammenwirken eingestellt, und hier liegt auch der Grund, warum es manchmal einfach nicht reicht, ein Samenkorn in die Erde zu stecken und feucht zu halten. Sch.....! Chiltepins sind besonders hartnäckig – selbst auf einer Wärmematte mit konstanten 30 °C können sie bis zu vier Wochen und mehr zum Keimen benötigen, oder es tut sich überhaupt nichts. Hier hilft es, den Trick von Mutter Natur nachzuahmen, und so geht’s. In einem halben Glas warmem Wasser löst man etwa einen halben Teelöffel Guano auf – jenen Dünger also, der aus purer Vogelsch… besteht; man bekommt ihn im Gartenfachhandel. In dieser Lösung weicht man dann die Chili-Saat über Nacht ein; chemisch passiert dasselbe wie beim Passieren des Vogeldarmtraktes. Anschließend werden die Saatkörner wie gewohnt in Jiffy-Töpfchen oder Anzuchterde gesteckt. Auf diese Weise ist es uns wiederholt gelungen, sowohl Chiltepin-Saat als auch ihre ebenfalls schwer keimenden raren Verwandten von den Galapagos-Inseln in weniger als 10 Tagen zum Keimen zu bringen und starke Pflanzen daraus zu ziehen. Übrigens… Würden Säugetiere wie zum Beispiel Nager die Chilischoten fressen, würde deren Magensäure die Saat zerstören (Vögel hingegen haben keine Magensäure). Da dies nicht im Sinne des Fortbestands der Art gewesen wäre, hat die Natur Chilis zum Schutz vor "Fraßfeinden" mit dem Schärfestoff Capsaicin ausgestattet. Vögeln macht er nichts aus, wohl aber Säugetieren – nun ja, von der Gattung "Chilihead" mal abgesehen.
Tea Time Eine weitere Methode, Chilisaat zum Keimen zu überreden, verriet uns Jason aus Florida. Wir lernten ihn über unser gemeinsames Interesse an Galapagos-Chilis kennen, und sein Geheimtipp ist schwarzer Tee. Jawohl, Tee! Und so geht’s: Gießen Sie in einer Tasse einen Teebeutel auf, zum Beispiel Orange Pekoe oder normalen schwarzen Tee, es kann gerne der billigste sein. Wenn er 3-4 Minuten durchgezogen hat, trinken Sie den Tee. OK, Sie müssen ihn nicht trinken, aber es wäre ja schade drum. Was wir brauchen, ist der Beutel, der wird jetzt ein zweites Mal mit nahezu kochendem Wasser aufgegossen. Verwendet wird dieser schwache Tee auf Raumtemperatur abgekühlt. Legen Sie nun paar Papierservietten oder Kleenex-Tücher auf einen Teller. Legen Sie die Saat drauf und decken Sie sie mit noch ein paar lagen Papierservietten ab. Weichen Sie das Ganze nun mit der abgekühlten Teebrühe ein und stellen Sie den Teller über Nacht in den Kühlschrank. Stecken Sie die Saatkörner am nächsten Tag wie gewohnt in Jiffy-Töpfchen oder Anzuchterde. Selbst mit dieser Methode, so Jason, brauchen diverse Chilisorten ihre Zeit zum Keimen, aber er schwört darauf, dass die Keimrate mit der Tee-Methode allgemein erheblich höher liegt. Während wir beim schwerkeimenden Galapagos-Chili letztlich mit Guano Erfolg hatten, half ihm bei dieser Sorte der Teeaufguss. In einer Internet-Recherche fanden wir eine Theorie, die den im Tee enthaltenen Flavonoiden die keimfördernde Wirkung zuschreibt, aber es gibt halt Phänomene, bei deren Erklärung sich die Wissenschaft schwertut – wie zum Beispiel, warum Tintenfisch zarter wird, wenn man beim Kochen einen Korken mit ins Wasser gibt. Ferner scheint ein Kamillentee-Aufguss eine fungizide (pilzhemmende) Wirkung auf die Saat zu haben, was der Gesundheit der zarten Sämlinge zugute käme. Update 2005: Wir selbst haben bei einigen bekannten "Schwer-Keimern" in diesem Jahr erstaunliche Ergebnisse erzielt, indem wir Saatkörner 24 Stunden in lauwarmem Kamillentee (1/2 Tasse auf 1 Beutel) eingeweicht haben. Selbst ein paar Chiltepin keimten zu unserer Überraschung nach nur fünf Tagen! Womöglich sollte man auch einmal mit einer Mischung aus schwarzem Tee und Kamille experimentieren. Update 2006: Erneut sorgte eine Kamillentee-Kur dafür, dass unsere Chiltepin-Testsaat zu einem großen Teil bereits Ende der ersten Woche keimte, die meisten weiteren Saatkörner in der zweiten Woche. Wir können diese Methode wärmstens weiterempfehlen. Update 2007: Dieses Jahr haben wir sämtliche Capsicum-Saat für unseren Testanbau (60 Sorten) über Nacht in Kamillentee "gebadet". Ergebnis: nicht eine Sorte blieb aus; die Keimrate war durchweg sehr hoch. Update 2009: Noch eine Überlegung... Beim Keim-Tuning sollte man womöglich noch eine weitere Variante in Zusammenhang mit der ursprünglichen "Aufbereitung" der Saat durch Vögel betrachten - die mechanische. Wie man weiß, fressen Vögel Sand, größere Arten sogar kleine Steine, weil sie dies für die Verdauung brauchen (daher auch der Sand oder Knabberstein im Käfig von Stubenvögeln). Diese mechanische Bearbeitung der Saatoberfläche könnte durchaus Einfluss haben. Man kennt das von diversen exotischen Sämereien: Aufrauen der Samenschale mit Sandpapier (wird als Skarifikation bezeichnet). Um das bei Chili-Saat zu simulieren, könnte man diese zusammen mit feinem Quarzsand in ein kleines Gefäß gegben und für eine gewisse Zeit schütteln (oder im Labor auf einen Vibriertisch stellen). Obs was bringt? Auch hier hilft nur Ausprobieren! Freiwillige vor!! Leser-Erfahrungen: Julius aus Osnabrück schrieb uns:
Ich habe zu dem Thema "die Saat zum Keimen zu bringen" einen Vorschlag. Ich habe mal herumexperimentiert und habe die Hälfte meiner gesähten Samen vorher für 2-4 std. in "Pfefferminzaufguss" gelegt (einfach warmes Wasser (ca. 1 Tasse) und einen Teebeutel zusammen in einer Schale "aufgießen". Die Keimergebnisse waren erstaunlich!!!! Die normalen Samen, die ich vorher in Salzwasser gelegt habe brauchten 2mal so lange wie die in Pfefferminzwasser!!!! Diese Methode benutze ich nur noch und will es anderen Chiligärtnern nicht vorenthalten. Danke, Julius!
Ein ungewöhnlicher - noch nicht nachgeprüfter - Tipp kommt von Marcus M.: In Buttermilch einweichen! Mein Bekannter züchtet mit dieser Methode erfolgreich im Gewächshaus seine Bhut-Jolokia. Danke, Marcus!
Wir würden uns freuen, von den Ergebnissen anderer Chili-Gärtner mit ihren Keim-Tricks zu hören!
Seitenanfang Seite zuletzt geändert am: 14.01.2010, 19:12 von Admin |
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