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Kalabrien #2: Echt scharfe Restaurants in Diamante

Bis zum Peperoncino-Festival bleibt noch ein wenig Zeit, die pikante regionale Küche zu erkunden. Und wir sind hungrig ...

La Locanda di Zio Rocco

In einer Gasse unweit von der Hafenpromenade stoßen wir auf eine kleine Trattoria mit drei Tischen im lauschigen Hof und dem Bild eines nicht unbekannten Entenonkels an der Wand. Einer der Tische ist bereits mit einer bunten Runde besetzt, die munter diskutiert und es sich offensichtlich schmecken lässt. Es riecht unwiderstehlich nach Tomaten, Knoblauch und - Peperoncini! Zudem hängen hier überall Stränge mit Chili-Schoten zum Trocknen - alles untrügliche Zeichen, dass wir hier goldrichtig sind. Die muntere Runde entpuppt sich als Inhaber-Familie des Restaurants.

La Locanda di Zio Rocco

Die müssen ja wissen, was gut ist, also ordern wir einige der leckeren Speisen, die dort gerade dampfend auf den Tisch kommen: In Olivenöl gebratener fangfrischer Fisch mit Kräutern. Penne alla Zio Rocco, pikant mit Peperoncini, Erbsen, Oliven, Knoblauch und Tomaten. Gefüllte Auberginen mit Tomaten. Und was für Tomaten! Zum Nachschärfen bringt uns Maria, die nette Tochter der Familie, ein Glas mit in bestem Olivenöl eingelegten herrlich scharfen Peperoncini. Einfach lecker.

Am Nachbartisch werden Stühle gerückt, denn es gesellen sich laufend neue Leute zur Runde. Außerdem kommt dort jetzt ein Teller mit großen, rot leuchtenden Peperoncini auf den Tisch - alle langen zu, und dem Geräusch nach handelt es sich unüberhörbar um etwas Knuspriges. Müssen wir auch probieren! Schon fünf Minuten später haben wir diese kalabrische Delikatesse auch auf dem Tisch. Maria erklärt: Für die Peperoncini friti wird eine Handvoll roter getrockneter Schoten vom Strang gezupft und schwimmend in Öl gebacken. Nach nur zwei bis drei Minuten sind sie knusprig, werden abgetropft und mit ein wenig grobem Salz bestreut. Dann werden sie als Snack heiß serviert.

Peperoncini friti - knusprig fritierte getrocknete Schoten

Peperoncini friti - knusprig
fritierte getrocknete Schoten

Die Trattoria-Familie bei der Arbeit

Während wir unsere knusprigen Peperoncini knabbern, hebt die Familie ihre Tafel auf uns setzt sich im Kreis um einen großen Korb mit Auberginen - diese gedeihen in Süditalien übrigens besonders gut. Während der Vater die violetten Früchte austeilt, sieht Maria unsere neugierigen Blicke und klärt uns auf, was jetzt passiert: Die Runde bereitet jetzt eine Antipasti-Spezialität der Region zu, die sich Malenzane all Olio nennt (in Öl eingelegte Auberginen). In Gemeinschaftsarbeit werden die Auberginen zunächst geschält, in Scheiben und dann in dünne Streifen geschnitten.

Damit sie nicht braun werden, kommen sie sofort in einen Behälter mit Salzwasser und etwas Zitronensaft. Einen Tag später werden die Streifen abgeseiht, gut ausgedrückt und für einen weiteren Tag in Essig eingelegt. Dann drückt man sie erneut gut aus und legt sie schließlich in Olivenöl ein, zusammen mit Knoblauch, Fenchelsaat und scharfen Peperoncino-Stückchen. Maria verschwindet in der Küche und bringt uns zum Probieren einen Teller mit den fertigen Streifen aus der letzten Produktion. Anders als frische Auberginen haben die eingelegten Streifen einen festen Biss, und sie haben auf angenehme Art das Aroma der übrigen Zutaten angenommen.

Wir sind beeindruckt, wie stolz die Kalabrier auf die Spezialitäten ihrer Region sind. Trotz der Sprachbarriere - hier im hier im tiefen Süden versteht kaum ein Einheimischer deutsch oder englisch - tun alle ihr Bestes, uns soviel wie möglich darüber zu vermitteln.

Beim Bezahlen wird klar, was der sparsame Enterich in diesem netten Restaurant symbolisiert: Speisen und Getränke sind trotz der erstklassigen Zutaten und der frischen Zubereitung eine Wohltat für die Reisekasse. Die pikante Pasta kostete um die drei Euro, der ganze Fisch sieben Euro, die gefüllen Auberginen zwei Euro (genau wie diverse weitere frische Gemüseteller). Eine Flasche gekühltes Mineralwasser (1, 5 Liter!) kam für nur zwei Euro auf den Tisch. Die eingelegten Peperoncini und der Probierteller gingen auf Kosten des Hauses. Ein Plätzchen, das wir uns merken werden.

La Locanda di Zio Rocco, Diamante, Largo San Biagio, Tel. 368-7498498

Fire and Ice: Verschärftes Eis und heiße Hörnchen

Nach dem pikanten Essen unter freiem Himmel im immer noch sommerlich heißen September steht uns der Sinn nach Eiscrem - bekanntermaßen eine italienische Spezialität. Wir entscheiden uns für das Café Nini, direkt am Lungomare, der Strandpromenade an der Steilküste über dem Hafen von Diamante. Man sitzt draußen, mit spektakulärem Blick auf das blaue Meer, Fischerboote und die sanften Hügel entlang der Küste. Spezialität des Hauses ist Tartufo ("Trüffel"), und im Gegensatz zu anderen Eiscafés listet die Speisekarte nicht nur eine dieser gefüllten Eiskugeln, sondern gleich ein ganzes Dutzend: "Tartufo Café", "Tartufo Ciocolata" , und - hoppla! - "Tartufo Afrodisia - gelato dolcemente piccante".

Tartufo Afrodisia - ein echt scharfes Eis

Die nette Bedienung erklärt uns, dass es sich hierbei um Sahneeis handelt, das mit Peperoncini gefüllt ist und sehr pikant sei. Genau richtig. "Due tartufi piccanti, per favore".Wir werden nicht enttäuscht. Supersahniges Eis, aus dem schon ein paar rote Stückchen verlockend herausschauen. Niemand, wirklich niemand macht leckereres Eis als die Italiener, und je weiter wir uns ins Innere dieser kühlen Köstlichkeit löffeln, um so pikanter wird es. Saftige Stückchen rotgereiter scharfer Chilis bringen Feuer auf die Zunge, das vom Eis im Zaum gehalten wird. Wärmstens, ähem, kühlstens zu empfehlen für alle Chili-Fans, die der Weg nach Kalabrien führt.

Café Niní, Via Santa Lucia 42, Diamante, www.caffenini.com

Auch die kleine Eisbar in der Hauptstraße neben der Kirche hat eine "echt scharfe" Spezialität anzubieten: Cornetti al Peperoncino - knusprige Croissants, gefüllt mit einer gekühlten Puddingcreme mit feurigen Chili-Stückchen. Sehr lecker, und gerade die richtige Balance aus Feuer und Süße. Dazu paßt, dass die Tische mit knallroten Chili-Sträußen dekoriert sind.

Cornetti al Peperoncino

Cornetti al Peperoncino

Renate mit heißem Hörnchen

La Buca di Bacco

Am nächsten Tag erkunden wir noch ein weiteres kleines Restaurant La Buca di Bacco. Hier zeigt die Tageskarte, dass man sich schon auf das bevorstehende Peperoncino-Festival eingeschossen hat:

 

Es gibt Penne * alla Diavola (teuflische Nudeln), Penne all 'Anduja (Nudeln mit chili-gewürzter Wurst aus Schweinefleisch) und Spaghetti Aglio Olio Peperoncino (Spagetti mit Olivenöl, Knoblauch und Chilis).

Wer es noch peppiger mag, bekommt hier ebenfalls eingelegte scharfe Peperoncini dazu. Auch in diesem Restaurant schmeckt es hervorragend, die Rechnung fällt nur geringfügig höher aus als bei Zio Rocco.

La Buca di Bacco, Via IV Novembre, Diamante

 

* Penne sind schräg angeschnittene Röhrennudeln, eine besonders in Kalabrien beliebte Pastasorte, die auch bei uns erhältlich ist (z. B. von Barilla).

Außerdem gibt es in Diamante diverse erstklassige Fischrestaurants und Pizzerias, und erfreulicherwese nicht ein einziges Fast-Food-Ketten-Restaurant. Nach einer Woche Essengehen sind wir hier nicht ein einziges mal enttäuscht worden.

Update 2004: Noch ein neuer "echt scharfer" Restaurant-Tipp, das Sabbia d'Oro.

Für Selbstversorger gibt es in Diamante auch jede Menge Shops, und die wollen wir uns als Nächstes ansehen ...

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  Text und Bilder von Harald Zoschke


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Seite zuletzt geändert am: 17.08.2014, 11:40 von Harald

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