|
|
Schon
von weitem wirkt Bisbee einladender als die nahe gelegene, jedem
Western-Fan wohl bekannte Goldgräberstadt Tombstone, die am besten in
"Touristenfalle" umbenannt werden sollte.
|
Erkundet
man Bisbee dann zu Fuß, hält die Kleinstadt, was sie von weitem verspricht
– irgendwie ein gemütlicher Ort, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein
scheint. Im Coffee Shop gibt’s so richtig schön altmodischen Apple
Pie, und beim Käffchen kommt man schnell mit den Einheimischen ins
Plaudern. Wir sind auf der Suche nach Reed Booth, weit und breit als
"The Killer Bee Guy" bekannt. |

|
|

|
"Yeah, der verrückte
Bienentyp! Reed’s kleiner Shop ist auf der Main Steet im historischen
Old Bisbee!" erfahren wir. "Könnt Ihr garnicht
verfehlen". Trotzdem sind wir erstmal dran vorbei gelaufen, denn
groß ist der Laden in der Tat nicht. Dann entdeckt Renate jedoch das
Killerbienen-Schild über der Tür. |
|
Kleiner
Exkurs –was sind eigentlich Killerbienen?
Am
Anfang stand der Traum vom großen Geld: Mitte der 1950er Jahre machten
sich in Brasilien Wissenschaftler im Auftrag der Regierung daran, so
eine Art Superbiene zu züchten. Das Ziel waren Bienen, die mehr Honig
produzieren als jede andere Bienenart und eine bessere Anpassung an das
Klima Mittel-und Südamerikas aufweisen. Dazu wurden heimische (einst
von europäischen Siedlern mitgebrachte) Bienen mit afrikanischen
gekreuzt. Herausgekommen sind dabei "Killerbienen", die durch
einen fatalen Fehler freikamen und sich seit Jahrzehnten stetig
nordwärts in die USA ausbreiten. Besonders in Arizona sind sie ein
echtes Problem, denn sie bauen ihre Waben gerne in, an und unter
Wohnhäusern. Die afrikanisierten Bienen haben zwar nicht mehr Gift als
ihre "braven" Kollegen, dafür sind sie aber hoch agressiv.
Die geringste Kleinigkeit – laute Stimmen, ein Parfüm, oder einfach
Bewegungen – lassen die Killerbienen ausrasten. Und wenn eine
zusticht, setzt sie dabei Duftstoffe frei, die allen anderen Bienen im
Volk signalisieren: "Das hier ist ein Feind, kommt her und stecht
zu, was das Zeug hält!" Bisweilen hagelt es dann tausende
Bienenstiche, und bisher sind angeblich schon mehr als 600 Menschen von
Killerbienen getötet worden.
|
|

|
Auch Tiere bleiben von den
angriffslustigen Stechern nicht verschont – in Bisbee erfahren wir,
dass ihnen schon Pferde und Rinder zum Opfer gefallen sind. Das Problem
sind die allergischen Reaktionen auf das Bienengift.Von Reed lernen wir
später, das man durch häufige Stiche nicht etwa resistenter gegen das
Gift wird, sondern immer empfindlicher. Aber fleißig sind die kleinen
Killer, und sie liefern erstklassigen Honig, und davon sehr viel. Auch
als Bestäuber sind sie besonders nützlich, und sie fliegen selbst bei
Kälte und Nebel bis in die Nacht. Zudem sind sie sie widerstandsfähig
gegen die von allen Imkern gefürchtete Varroa-Milbe.
Killerbienenwaben
im Inneren einer hohlen Holzwand; der
"Killer Bee Guy" Reed Booth hat sie
vorsichtig herausgesägt.
|
Und
was macht der Killer Bee Guy?
Des
einen Leid, des anderen Freud. Mitte der 1980er kam Reed Booth nach
Bisbee und verdiente sich sein Geld als Mineralienexperte. Und wer etwas
entlegen in den Bergen wohnt, will schließlich nicht laufend runter in
die Stadt,
um Biernachschub zu holen. In seiner Freizeit braute er daher Bier und
Met, Honigwein also. Was lag also näher, als auch Bienen zu züchten
und seinen eigenen Honig zu verwenden! Reed beschäftigte sich intensiv
mit den Bienen, und in seiner Gegend wurde er schnell als Experte
bekannt. Kein Wunder also, dass man ihn immer dann um Hilfe bat, wenn
sich irgendwo Killerbienen niedergelassen hatten. Dann zog der
Honigfreund, ausgerüstet mit dicker Schutzbekleidung, Räucherlampe und
Werkzeug los, um die oft kunstvollen Wabengebilde samt Bewohnern zu entfernen. Aber
nicht etwa, um sie zu zerstören, sondern um sie mit heim zu nehmen und
ihnen in einem Bienenstock ein neues Zuhause zu geben.
|
Irgendwann
wurde dann ein Hauptberuf daraus, und seit mehr als zwölf Jahren wird
der "Killler Bee Guy", wie ihn hier alle nennen, immer dann
gerufen, wenn sich die Plagegeister in menschlicher Nähe niedergelassen
haben. So erhält er die kostenlosen Honiglieferanten, die dort sonst
niemand haben will, und bekommt noch Geld dafür! Der Job ist natürlich
nicht ungefährlich. Extra dicke Schutzkleidung ist angesagt – die
Farbe weiß scheint die Killerbienen am wenigsten zu verärgern. Und
schwindelfrei muss er sein – selbst auf dem Dach des Rathauses von
Tombstone war er schon im Einsatz. Dazu kommt handwerkliches Geschick,
denn bisweilen müssen hohle Holzwanddteile oder Fußböden samt Waben
behutsam ausgesägt werden. Das Wichtigste aber sind die Nerven –
ruhig bleiben ist bei seiner Arbeit das Voraussetzung. Der Lohn:
Super-Honig, und den gibt es in Reed’s Laden zu kaufen – und
allerlei Spezialitäten, die er daraus macht. Und dort sehen wir uns
jetzt mal um. |

Reed
Booth alias "The Killer Bee Guy"
|
Der
Killerbienenladen - und was der Honig mit Chilis zu tun hat
|

|
Wenn
man den kleinen Laden betritt, weiß man sofort, was es dort Sache ist: es duftet nach Honig. Das ist kein Wunder, denn alles hat hier mit
Honig zu tun – ‘zig Sorten Killerbienenhonig,
Killerbienenhonigkerzen, und sogar Lippenbalsamstift aus
Killerbienenhonigwachs!
Außerdem ist der Shop liebe- und humorvoll mit allem dekoriert, was
irgendwie mit den fleißigen Insekten zu tun hat. Dazu Preise, Urkunden
und Zeitungsausschnitte. |
|
Trotz
der vielen interessanten Dinge macht sich zunächst ein wenig
Enttäuschung breit: Eine nette und informative Verkäuferin ist da,
aber kein Killer Bee Guy!
Wir probieren diverse Spezialitäten, den
Honig mit Zitronenaroma etwa, den Wild Desert Honey, den Garlic Honey
Mustard und schließlich jene Kreation, die uns auf die
Killerbienen-Fährte brachte: Killer Bee Chipotle Honey Mustard, die
ungewöhnliche Komposition aus Honig (von Killerbienen, versteht sich),
Chipotle (=geräucherte Jalapeno-Chilis) und ganzen sowie gemahlenen
Senfkörnern, dazu ein klein wenig Essig. Das Ergebnis ist süß, hat
tolles Senf/Chipotle-Aroma und erstaunlich scharf (eigentlich kein
Wunder: von hier sind es nur 13 km bis zur mexikanischen Grenze). |
 |
|
Wir
sind begeistert: der Stoff ist gleichermaßen ungewöhnlich und lecker
– das ist definitiv was für den Pepperworld Hot Shop!
Wie sich
später herausstellen wird, ist der Killer Bee Chipotle Honey Mustard auf Brot und auf Käse (auch
gebackenem Camembert!) ein echter Hit, ebenso beim Grillen: Großzügig
aufs Fleisch auftragen, wenn es halb durch ist. Honig und Essig
ziehen beim Erhitzen ins Fleisch, während die ganzen Senfkörner für
eine herzhafte Kruste sorgen.
Killer Bee Chipotle Honey
Mustard (Shop-Info)
|
 |
In
diesem Moment geht die Tür auf und ein gut gelaunter Mann betritt den
Laden – wie sich schnell herausstellt, Reed Booth, der "Killer
Bee Guy". Und der hat auch allen Grund zu guter Laune: gerade hat
er erfahren, daß der besagte Killer Bee Chipotle Honey Mustard bei der
renommierten Worldwide Mustard Competition in der kalifornischen
Weinregion Napa Valley eine Goldmedaille gewonnen hat! Aus unserer
USA-Zeit – wir haben ja einige Jahre "drüben" gelebt, Hot
Sauces entwickelt und selbst diverse Preise gewonnen – wissen wir,
daß das wirklich eine tolle Leistung ist, denn hier kämpfen stets
hunderte Produkte um die begehrten Trophäen.
|

|
"Killer
Bee Guy" Reed Booth
mit bienengeschützter Renate (l)
und seinem "Honey" Fabrienne (r)
|
"Gut
für Deinen Stachel"
Während
wir uns begrüßen, ertönt plötzlich Counry-Music aus Reed’s
Jackentasche, und er beginnt zu tanzen – die Klingelmelodie auf seinem
Handy! Seit er vor ein paar Wochen in der TV-Show "Food Finds"
des landesweit ausgestrahlten Food Network zu sehen war, steht das
Telefon nicht mehr still. Auch National Geographic war schon hier zum
Filmen. Ein kurzes Telefonat, dann ist er wieder bei uns und erzählt,
dass sogar eine deutsche TV-Crew schon hier war. Für die musste er
extra nochmal aufs Rathaus von Tombstone klettern, in voller Montur. Ein
Pärchen betritt den Shop. "Hey", ruft Reed augenzwinkernd dem
etwas schüchtern wirkenden jungen Man zu, "Probier mal den
Killerbienen-Honig hier. Ist gut für Deinen Stachel!" So geht’s
dann auch weiter. "Kauf lieber gleich zwei Gläser – die kommen
mit Honeyback Guarantee!" Schon wieder ein Anruf. Wir nutzen
die Zeit, uns in Reed's Kuriosätenladen weiter umzusehen. Und entdecken
zum Beispiel das hier:
Damit Sie hier auch was lernen - Pepperworld ist ja immer bemüht, wertvolles
PISA-Fachwissen zu
vermitteln - hier ein geheimer Blick in einen Bienenstock. 
Auf
dem Bett erkennt man die schlafende Königin, während sich die
Arbeiter im Vordergrund gerade mit Nektar stärken.
Was
der Schmetterling unter dem Tisch zu bedeuten hat, wissen wir
leider auch nicht so genau.
|

|
Dann stellt
Reed uns seine bessere Hälfte
vor – wundert’s uns noch, dass er sie "Honey" ruft!
Zwischendurch klingelt immer wieder mal das Country-Handy, Reed tanzt
und scherzt. Wenn man diese Frohnatur erlebt, ahnt man nicht, welch
gefährlichem Job er nachgeht, um den Grundstoff seiner süßen
Leckereien zu bekommen. Er trägt dabei extra dicke Lederhandschuhe,
denn durch normales Leder stechen die agressiven Bienen locker durch. An
seinem weißen Schutzanzug dichtet er Ärmel, Beine und Kragen mit Duct
Tape (kräftiges Textilklebeband) ab, dazu natürlich der obligatorische
Kopfschutz. Einmal ist trotzdem eine Killerbiene reingekommen und hat
ihn gestochen; daraufhin attackierten ihn tausende Bienen, die wie
Geschosse an seinem Anzug abprallten. Fühlt sich wie Hagel an, meint er
lachend. Wir bekommen schon eine Gänsehaut vom Zuhören. Genau wie wir
ist das Pärchen von den Honigspezialitäten begeistert und kauft ein
paar Gläser. "Beehive yourself!" ruft ihnen Reed zum Abschied
hinterher (beehive = Bienenstock). Nachdem wir noch ein paar
Killerbienenhonig-Goodies
probiert haben, beschließen Renate und ich, dass der Chipotle Honey
Mustard eindeutig unser Favorit ist, und ordern gleich welchen für den
Shop (Beschreibung siehe Shop-Info).
Die Frachtkosten von Arizona sind zwar wahnsinning, aber der Stoff ist
einfach zu gut!
Rezept-Tipp: Killerbienen-Schweinefilets vom Grill
|

|
Dann heißt es Abschied nehmen vom Killer Bee Guy und
von Bisbee, wo man gut und gerne mal ein paar Tage Urlaub verbringen
könnte. Wir müssen weiter nach New Mexico, zur Fiery Foods Show.
Wenn
Sie mal in den Südwesten der USA kommen, schauen Sie doch mal beim
Killer Bee Guy vorbei und sagen Hallo von uns. Sie können den Shop
garnicht verfehlen:
Auf der Main Steet im historischen Old Bisbee!
Das
wünschen wir auch Ihnen...
PS
- Für Arizona-Reisen interessant ist arizonaguide.com.
besonders nützlich: Die
"Interactive Statemap" mit Zoom,
einblendbaren Straßen,
Nationalparks etc.
|
Fotos
& Story: Harald Zoschke
|