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Chilis und Killerbienen in Bisbee, Arizona

Eine der ungewöhnlichsten Touren auf der Suche nach interessanten Chili-Produkten führte uns nach Bisbee im US-Bundesstaat Arizona, etwa 145 km südöstlich von Tucson gelegen. 

Höchstwahrscheinlich haben Sie noch niemals von Bisbee gehört; dabei war dies vor gut 100 Jahren mit 20000 Einwohnern die größte Stadt zwischen San Francisco und St. Louis, und zugleich eine der reichsten Erzlagerstätten der Welt. Gold und Silber wurden im großen Stil gefördert, und bis in die 70er Jahre auch noch jede Menge Kupfer, bis der Markt für dieses Metall zusammenbrach.

Killer Bee!

USA

Tucson ... Bisbee

 

Bisbee liegt ganz im Süden des US-Bundesstaats Arizona

Die nächste größere Stadt ist Tucson

Heute kann man an Untertageführungen durch das Gewirr der Stollengänge teilnehmen, und Institutionen wie das 1906 erbaute "Bisbee Grand Hotel" zeugen vom ehemaligen Ruhm und Reichtum der Stadt.

Nähert man sich Bisbee über die kurvenreichen Straßen durch die Berge, sticht die sehenswerte historische Altstadt ins Auge – gut erhaltene viktorianische und mediterrane Wohnhäuser, die zum Teil wie Adlernester an die Felswand gebaut wurden.

Bisbee

Bisbee

Schon von weitem wirkt Bisbee einladender als die nahe gelegene, jedem Western-Fan wohl bekannte Goldgräberstadt Tombstone, die am besten in "Touristenfalle" umbenannt werden sollte.

Erkundet man Bisbee dann zu Fuß, hält die Kleinstadt, was sie von weitem verspricht – irgendwie ein gemütlicher Ort, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Im Coffee Shop gibt’s so richtig schön altmodischen Apple Pie, und beim Käffchen kommt man schnell mit den Einheimischen ins Plaudern. 

Wir sind auf der Suche nach Reed Booth, weit und breit als "The Killer Bee Guy" bekannt. 

Bisbee: Historische Altstadt mit "Bisbee Grand Hotel"

Zeichen über dem Killerbienen-Shop

 

"Yeah, der verrückte Bienentyp! Reed’s kleiner Shop ist auf der Main Steet im historischen Old Bisbee!" erfahren wir. "Könnt Ihr garnicht verfehlen". Trotzdem sind wir erstmal dran vorbei gelaufen, denn groß ist der Laden in der Tat nicht. Dann entdeckt Renate jedoch das Killerbienen-Schild über der Tür.

Kleiner Exkurs –was sind eigentlich Killerbienen?

Am Anfang stand der Traum vom großen Geld: Mitte der 1950er Jahre machten sich in Brasilien Wissenschaftler im Auftrag der Regierung daran, so eine Art Superbiene zu züchten. Das Ziel waren Bienen, die mehr Honig produzieren als jede andere Bienenart und eine bessere Anpassung an das Klima Mittel-und Südamerikas aufweisen. Dazu wurden heimische (einst von europäischen Siedlern mitgebrachte) Bienen mit afrikanischen gekreuzt. Herausgekommen sind dabei "Killerbienen", die durch einen fatalen Fehler freikamen und sich seit Jahrzehnten stetig nordwärts in die USA ausbreiten. Besonders in Arizona sind sie ein echtes Problem, denn sie bauen ihre Waben gerne in, an und unter Wohnhäusern. Die afrikanisierten Bienen haben zwar nicht mehr Gift als ihre "braven" Kollegen, dafür sind sie aber hoch agressiv. Die geringste Kleinigkeit – laute Stimmen, ein Parfüm, oder einfach Bewegungen – lassen die Killerbienen ausrasten. Und wenn eine zusticht, setzt sie dabei Duftstoffe frei, die allen anderen Bienen im Volk signalisieren: "Das hier ist ein Feind, kommt her und stecht zu, was das Zeug hält!" Bisweilen hagelt es dann tausende Bienenstiche, und bisher sind angeblich schon mehr als 600 Menschen von Killerbienen getötet worden. 

Killerbienenwaben in einer Holzwand

Auch Tiere bleiben von den angriffslustigen Stechern nicht verschont – in Bisbee erfahren wir, dass ihnen schon Pferde und Rinder zum Opfer gefallen sind. Das Problem sind die allergischen Reaktionen auf das Bienengift.Von Reed lernen wir später, das man durch häufige Stiche nicht etwa resistenter gegen das Gift wird, sondern immer empfindlicher. Aber fleißig sind die kleinen Killer, und sie liefern erstklassigen Honig, und davon sehr viel. Auch als Bestäuber sind sie besonders nützlich, und sie fliegen selbst bei Kälte und Nebel bis in die Nacht. Zudem sind sie sie widerstandsfähig gegen die von allen Imkern gefürchtete Varroa-Milbe.

 Killerbienenwaben im Inneren einer hohlen Holzwand; der
   "Killer Bee Guy" Reed Booth hat sie vorsichtig herausgesägt.

Und was macht der Killer Bee Guy?

Des einen Leid, des anderen Freud. Mitte der 1980er kam Reed Booth nach Bisbee und verdiente sich sein Geld als Mineralienexperte. Und wer etwas entlegen in den Bergen wohnt, will schließlich nicht laufend runter in die Stadt, um Biernachschub zu holen. In seiner Freizeit braute er daher Bier und Met, Honigwein also. Was lag also näher, als auch Bienen zu züchten und seinen eigenen Honig zu verwenden! Reed beschäftigte sich intensiv mit den Bienen, und in seiner Gegend wurde er schnell als Experte bekannt. Kein Wunder also, dass man ihn immer dann um Hilfe bat, wenn sich irgendwo Killerbienen niedergelassen hatten. Dann zog der Honigfreund, ausgerüstet mit dicker Schutzbekleidung, Räucherlampe und Werkzeug los, um die oft kunstvollen Wabengebilde samt Bewohnern zu entfernen. Aber nicht etwa, um sie zu zerstören, sondern um sie mit heim zu nehmen und ihnen in einem Bienenstock ein neues Zuhause zu geben.

Irgendwann wurde dann ein Hauptberuf daraus, und seit mehr als zwölf Jahren wird der "Killler Bee Guy", wie ihn hier alle nennen, immer dann gerufen, wenn sich die Plagegeister in menschlicher Nähe niedergelassen haben. So erhält er die kostenlosen Honiglieferanten, die dort sonst niemand haben will, und bekommt noch Geld dafür! Der Job ist natürlich nicht ungefährlich. Extra dicke Schutzkleidung ist angesagt – die Farbe weiß scheint die Killerbienen am wenigsten zu verärgern. Und schwindelfrei muss er sein – selbst auf dem Dach des Rathauses von Tombstone war er schon im Einsatz. Dazu kommt handwerkliches Geschick, denn bisweilen müssen hohle Holzwanddteile oder Fußböden samt Waben behutsam ausgesägt werden. Das Wichtigste aber sind die Nerven – ruhig bleiben ist bei seiner Arbeit das Voraussetzung. Der Lohn: Super-Honig, und den gibt es in Reed’s Laden zu kaufen – und allerlei Spezialitäten, die er daraus macht. Und dort sehen wir uns jetzt mal um.

Reed Booth alias "The Killer Bee Guy"

Reed Booth alias "The Killer Bee Guy"

Der Killerbienenladen - und was der Honig mit Chilis zu tun hat

Im Shop

 

Wenn man den kleinen Laden betritt, weiß man sofort, was es dort Sache ist: es duftet nach Honig. Das ist kein Wunder, denn alles hat hier mit Honig zu tun – ‘zig Sorten Killerbienenhonig, Killerbienenhonigkerzen, und  sogar Lippenbalsamstift aus Killerbienenhonigwachs!

Außerdem ist der Shop liebe- und humorvoll mit allem dekoriert, was irgendwie mit den fleißigen Insekten zu tun hat. Dazu Preise, Urkunden und Zeitungsausschnitte.

Trotz der vielen interessanten Dinge macht sich zunächst ein wenig Enttäuschung breit: Eine nette und informative Verkäuferin ist da, aber kein Killer Bee Guy!

Wir probieren diverse Spezialitäten, den Honig mit Zitronenaroma etwa, den Wild Desert Honey, den Garlic Honey Mustard und schließlich jene Kreation, die uns auf die Killerbienen-Fährte brachte: Killer Bee Chipotle Honey Mustard, die ungewöhnliche Komposition aus Honig (von Killerbienen, versteht sich), Chipotle (=geräucherte Jalapeno-Chilis) und ganzen sowie gemahlenen Senfkörnern, dazu ein klein wenig Essig. Das Ergebnis ist süß, hat tolles Senf/Chipotle-Aroma und erstaunlich scharf (eigentlich kein Wunder: von hier sind es nur 13 km bis zur mexikanischen Grenze).  

 Killerbienenhonig-Probe

Wir sind begeistert: der Stoff ist gleichermaßen ungewöhnlich und lecker – das ist definitiv was für den Pepperworld Hot Shop! 

Wie sich später herausstellen wird, ist der Killer Bee Chipotle Honey Mustard auf Brot und auf Käse (auch gebackenem Camembert!) ein echter Hit, ebenso beim Grillen: Großzügig aufs Fleisch auftragen, wenn es halb durch ist. Honig und Essig ziehen beim Erhitzen ins Fleisch, während die ganzen Senfkörner für eine herzhafte Kruste sorgen.

Killer Bee Chipotle Honey Mustard (Shop-Info  

 Killer Bee Chipotle Honey Mustard

In diesem Moment geht die Tür auf und ein gut gelaunter Mann betritt den Laden – wie sich schnell herausstellt, Reed Booth, der "Killer Bee Guy". Und der hat auch allen Grund zu guter Laune: gerade hat er erfahren, daß der besagte Killer Bee Chipotle Honey Mustard bei der renommierten Worldwide Mustard Competition in der kalifornischen Weinregion Napa Valley eine Goldmedaille gewonnen hat! Aus unserer USA-Zeit – wir haben ja einige Jahre "drüben" gelebt, Hot Sauces entwickelt und selbst diverse Preise gewonnen – wissen wir, daß das wirklich eine tolle Leistung ist, denn hier kämpfen stets hunderte Produkte um die begehrten Trophäen.

Killerb Guy mit Bienen

 "Killer Bee Guy" Reed Booth 
    mit bienengeschützter Renate (l)
    und seinem "Honey" Fabrienne (r)

 

"Gut für Deinen Stachel"

Während wir uns begrüßen, ertönt plötzlich Counry-Music aus Reed’s Jackentasche, und er beginnt zu tanzen – die Klingelmelodie auf seinem Handy! Seit er vor ein paar Wochen in der TV-Show "Food Finds" des landesweit ausgestrahlten Food Network zu sehen war, steht das Telefon nicht mehr still. Auch National Geographic war schon hier zum Filmen. Ein kurzes Telefonat, dann ist er wieder bei uns und erzählt, dass sogar eine deutsche TV-Crew schon hier war. Für die musste er extra nochmal aufs Rathaus von Tombstone klettern, in voller Montur. Ein Pärchen betritt den Shop. "Hey", ruft Reed augenzwinkernd dem etwas schüchtern wirkenden jungen Man zu, "Probier mal den Killerbienen-Honig hier. Ist gut für Deinen Stachel!" So geht’s dann auch weiter. "Kauf lieber gleich zwei Gläser – die kommen mit Honeyback Guarantee!" Schon  wieder ein Anruf. Wir nutzen die Zeit, uns in Reed's Kuriosätenladen weiter umzusehen. Und entdecken zum Beispiel das hier:

 

Damit Sie hier auch was lernen - Pepperworld ist ja immer bemüht, wertvolles PISA-Fachwissen zu vermitteln - hier ein geheimer Blick in einen Bienenstock.

Auf dem Bett erkennt man die schlafende Königin, während sich die Arbeiter im Vordergrund gerade mit Nektar stärken.

Was der Schmetterling unter dem Tisch zu bedeuten hat, wissen wir leider auch nicht so genau.

Bienenstock von innen

Dann stellt Reed uns seine bessere Hälfte vor – wundert’s uns noch, dass er sie "Honey" ruft! Zwischendurch klingelt immer wieder mal das Country-Handy, Reed tanzt und scherzt. Wenn man diese Frohnatur erlebt, ahnt man nicht, welch gefährlichem Job er nachgeht, um den Grundstoff seiner süßen Leckereien zu bekommen. Er trägt dabei extra dicke Lederhandschuhe, denn durch normales Leder stechen die agressiven Bienen locker durch. An seinem weißen Schutzanzug dichtet er Ärmel, Beine und Kragen mit Duct Tape (kräftiges Textilklebeband) ab, dazu natürlich der obligatorische Kopfschutz. Einmal ist trotzdem eine Killerbiene reingekommen und hat ihn gestochen; daraufhin attackierten ihn tausende Bienen, die wie Geschosse an seinem Anzug abprallten. Fühlt sich wie Hagel an, meint er lachend. Wir bekommen schon eine Gänsehaut vom Zuhören. Genau wie wir ist das Pärchen von den Honigspezialitäten begeistert und kauft ein paar Gläser. "Beehive yourself!" ruft ihnen Reed zum Abschied hinterher (beehive = Bienenstock). Nachdem wir noch ein paar Killerbienenhonig-Goodies probiert haben, beschließen Renate und ich, dass der Chipotle Honey Mustard eindeutig unser Favorit ist, und ordern gleich welchen für den Shop (Beschreibung siehe Shop-Info). Die Frachtkosten von Arizona sind zwar wahnsinning, aber der Stoff ist einfach zu gut!

Rezept-Tipp: Killerbienen-Schweinefilets vom Grill

Im Schaufenster des Killerbee-Shops

Dann heißt es Abschied nehmen vom Killer Bee Guy und von Bisbee, wo man gut und gerne mal ein paar Tage Urlaub verbringen könnte. Wir müssen weiter nach New Mexico, zur Fiery Foods Show.

Wenn Sie mal in den Südwesten der USA kommen, schauen Sie doch mal beim Killer Bee Guy vorbei und sagen Hallo von uns. Sie können den Shop garnicht verfehlen: 

Auf der Main Steet im historischen Old Bisbee!

 

 Das wünschen wir auch Ihnen...

 

PS - Für Arizona-Reisen interessant ist arizonaguide.com.
       besonders nützlich: Die "Interactive Statemap" mit Zoom,
       einblendbaren Straßen, Nationalparks etc.

Fotos & Story: Harald Zoschke

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