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Piment
d'Espelette, der fanzösische Gourmet-Chili
Teil 1 von 3
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Frankreich denkt man zwar
sofort an raffinierte Küche und
frische
Zutaten, aber nicht unbedingt an peppige Chilis.
Zu Unrecht, denn
im französischen Baskenland am Rande der Pyrenäen und unweit der
spanischen Grenze gibt es eine Region, die nicht nur ihre ureigene
Chili-Sorte hat, sondern sie auch zelebriert und ausgiebig damit
kocht: Espelette.
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"Bestens gelungene Variation vom Mecklenburger Lamm, wohl abgestimmt gewürzt mit Zitronenthymian und Piment
d'Espelette". So schwärmte
einmal der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift Der
Feinschmecker in der Welt am Sonntag über ein Essen in einem
vornehmen Hamburger Restaurant. Piment d'Espelette ist in der Tat in der
Spitzengastronomie der Welt zuhause. Vor allem aber in seiner baskischen
Heimat ist er ein unverzichtbares Gewürz, und ebenso für unzählige
Hobbyköche, wenn sie einmal davon probiert haben.
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Aus
diesen Schoten entsteht das berühmte Pulver
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Piment
d'Espelette das ist die Chili-Sorte, deren ofizieller Name "Capsicum
annum L. var. Gorria" lautet. Sie
wird größtenteils getrocknet und zu Pulver vermahlen. Dieses ist etwas
milder als Cayenne, aber noch aromatischer, mit einer fruchtig-süßen und zugleich leicht rauchigen Note.
Er würzt eine ganze Reihe
baskischer Fisch- und Fleisch-Spezialitäten, um deren Geschmack
zu heben. Die leckeren Schoten werden aber auch zu Konfitüre und
Püree verarbeitet, und man bekommt sie im Ganzen eingelegt. Werfen wir
aber zunächst ein Blick auf die Herkunft dieser edlen Chili-Sorte.
Geschichte
des Piment d'Espelette
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Die
Pflanzen, aus denen Piment d'Espelette hervorging, gelangten aus Mexiko
ins Nive-Tal im französischen Baskenland. Der Überlieferung zufolge
stammen sie von einem baskischen Seemann, der Christoph Kolumbus auf
seinen Reisen begleitete. Er hatte hier bereits Mais eingeführt, und es
wird angenommen, dass er einer Ladung auch Chilischoten beigefügte.
Das
Klima im Baskenland war ideal für die "Piment"-Pflanze, und
diverse Bauern begannen mit ihrem Anbau. Zunächst wurden die feurigen Früchte zu
medizinischen Zwecken genutzt.
In
Espelette wurden sie ab etwa 1650 angebaut. Schon bald erkannte man hier,
dass sich die scharfen Schoten auch hervorragend zum Würzen und als
schmackhafte Beilage eigneten.
Im
17 Jahrhundert wurde in Europa Schokolade populär, als Nascherei, und
auch als Getränk. Womöglich durch Montezuma’s
scharfen Kakaotrunk inspiriert (siehe Beitrag Chilis
& Schokolade), mixten Chocolatiers in Bayonne nun
Schokolade mit Piment d'Espelette (in Bayonne, unweit von Espelette, wurde
in Frankreich erstmals Schokolade hergestellt).
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Zudem
entdeckte man, dass sie bei der Konservierung von Fleisch, insbesondere
Schinken und Wurst, hilfreich waren. Schinken, der mit dem roten
Chilipulver eingerieben ist, findet man noch heute überall rund um
Espelette, ebenso pikante luftgetrocknete Wurst.

Auch in Pasteten und Fischspezialitäten
ersetzen die
baskischen Köche den schwarzen Pfeffer immer mehr durch den
"Espelette-Pfeffer".
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Durch
Saat-Selektion entstand die Sorte "Gorria", die den
heutigen Piment d'Espelette repräsentiert, der ausschließlich in der
westlich vom Atlantik und östlich von Bergen eingeschlossenen Region
angebaut wird. Botanisch gehört die Sorte zur grossen Familie Capsicum anuum.
Die Pflanze entwickelt sich gut in den leicht säurehaltigen Böden
mit guter Dränage, denn zuviel Feuchtigkeit in
der Erde würde Krankheiten begünstigen. Die
Schoten von Piment d' Espelette werden 7 bis 14 cm lang. Sie sind
etwas gedrungen, haben eine konische Form und eine leicht abgerundete
Spitze. Abgereift haben die Schoten ein leuchtendes Zinnoberrot; im
getrockneten Zustand wechselt die Farbe zu einem dunklen Rotbraun.
Mit
der steigenden Beliebtheit wächst auch die Zahl der gezogenen Pflanzen:
Wurden 1997 rund 200.0000 Setzlinge von
Piment d'Espelette kultiviert, waren es im Jahre 2000 bereits doppelt
soviel! Entsprechend wuchs die Anbaufläche von 8,1 ha (1997) auf 23,5 ha
(2000). Auch die Anzahl der zertifizierten Anbauer steigt stetig (mehr
dazu weiter unten).
Von
der Saat bis zum Pulver
Ab
15. Februar wird die Saat in Trögen mit Anzuchterde ausgesät. Die
Sämlinge werden dann pikiert und im Gewächshaus vorgezogen. In der Region um Espelette wäre es ihnen um diese Jahreszeit
draußen noch zu kalt, denn die optimale Keimtemperatur beträgt 20 bis 26°
C.
Ab
1. Mai sind keine Fröste mehr zu erwarten; dann erfolgt das Auspflanzen
in die Felder, die zuvor mit organischem Dünger wie pflanzlichem Kompost
aufbereitet wurden.
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Die
ersten Blüten zeigen sich Mitte Juni. Bis dahin waren die Chili-Bauern
fleißig - per Hand haben Sie das Unkraut zwischen den Pflanzen entfernt und Stützpfosten eingeschlagen.

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Hier
noch ein Detail für heimische Chiligärtner: Die Pflanzen sind
zweireihig versetzt gepflanzt und mit Plastikmulch abgedeckt. Dies
hält Wärme und Feuchtigkeit im Boden und
unterdrückt Unkraut. Die Gießlöcher um die Stämme sind zum
weiteren Unkrautschutz mit Pressfaserscheiben abgedeckt.
Entlang der ca. alle 2 m eingeschlagenen
Vierkanthölzer sind in Höhe der Verzweigung links und rechts der
Stämme Schnüre gespannt, deren Abstand durch die Holzstärke
vorgegeben ist; das gibt den Pflanzen Halt. Kunststoffclips auf
den Schnüren verhindern seitliches Kippen unter der Last der
Früchte.
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Die
Schoten sind zunächst grün. Haben sie ihre endgültige Länge von 7 bis
14 cm erreicht, bekommen sie allmählich ihre signalrote Farbe, für die
Piment d'Espelette weithin bekannt ist.
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Die
Ernte beginnt im August, wenn die Oberfläche der Schoten wenigstens zu 80% rot
ist. Sie geschieht ebenfalls grundsätzlich von Hand
und zieht sich vom Spätsommer bis zu den ersten Herbstfrösten hin.
Die frostfreie Zeit von ca. Mitte April bis Anfang
November erlaubt eine Vegetationsperiode von 7-8 Monaten.
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Nach
der Ernte werden die Chilis vorsortiert. Die hinsichtlich Form und Farbe
perfekten Schoten werden für Stränge verwendet, die hier cordes
heißen. Die übrigen werden zu Pulver verarbeitet.
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Auch
die Anfertigung der Chili-Stränge ist reine Handarbeit. Gemäß AOC-Vorgabe müssen sie
mindestens 20 Schoten enthalten. Mit Kennerblick werden dazu Chilis
ähnlichen Kalibers ausgesucht, an den Stielen durchbohrt und
aufgefädelt. Verkauft werden können sie erst, wenn sie dann noch das
AOC-Siegel verpasst bekommen haben

Die
Schoten kann man zuhause frisch verwenden oder bei gutem Luftzug
trocknen lassen.
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Piment
d'Espelette-Produzent Vincent Hurpeau
zeigt uns, wie die Schoten aufgefädelt werden.
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Um
die verbleibenden Chilis auf die Pulver-Herstellung vorzubereiten, werden
sie zunächst an der Luft getrocknet. Dazu hängen sie - ebenfalls als
Stränge - an den Häusern, wie man es hier im Herbst überall sieht. Oder
sie kommen, wie bei Vincent, auf überdachte Drahtböden. Beim Trocknen an der
frischen Luft für ca. 20 Tage entwickeln die Schoten das für Piment
d'Espelette typische köstliche Aroma.
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Nach
Entfernen der Stiele und weiterer Sortierung werden die Chilischoten dann
bei 55-60° C im Ofen getrocknet, um Restfeuchtigkeit zu entfernen. Dann
werden sie gemahlen und in Beutel abgepackt.
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Nach
einer offiziellen Qualitätsprüfung erhält das Pulver ein Zertifikat.
Dann kann es in die typischen Schraubgläser und in spezielle Beutel
gefüllt und mit dem Siegel "Piment d'Espelette AOC" versehen
werden. Erst jetzt darf das Produkt unter dem geschützten Namen in den
Handel gelangen.
Außer
Pulver werden noch diverse weitere pikante Spezialitäten mit Piment
d'Espelette hergestellt, z. B. Püree (Coulis, Compote), Senf und Konfitüre.
Auch ganze Schoten werden eingelegt. |

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AOC-Schutz
für einen Chili
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Der
AOC-Schutz ist also weit mehr als ein Marketing-Instrument. Er stellt
sicher, dass ein Chili-Produkt, das sich "Piment d'Espelette"
nennt, den mit seinem guten Ruf verbundenen Qualitätsansprüchen gerecht wird.
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Stichwort:
Geschützte Herkunft
Seit langem genießen bestimmte Lebensmittel internationalen Markenschutz aufgrund ihres Herkunftsgebietes. So müssen zum Beispiel Nürnberger Bratwürste aus Nürnberg kommen, Roquefort-Käse aus Roquefort, und echter Champagner aus der Champagne.
Seit Neuestem muß Feta-Käse tatsächlich aus
Griechenland kommen. Allein in der EU gibt es
mehr als 500 Produkte, denen aufgrund der jeweiligen regionalen Besonderheiten -
Herkunft, Tradition, bestimmte Rohstoffe oder Herstellungstechniken -
ein solcher Status zugebilligt wird. Solchen Schutz genießt auch Piment d'Espelette.Bei
den Franzosen nennt er sich AOC (Appellation d’Origine Contrôlée;
kontrollierte Ursprungsbezeichnung), in
Italien heißt er "IGP"
(Indicazione Geografica Protetta), bei uns "g.g.A." (geschützte geographische
Angabe). In Italien verfügen zum Beispiel die Peperoni di
Senise über Herkunftsschutz, in Spanien Pimentón
de La Vera.
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Nicht
nur im Baskenland wird viel mit Piment d'Espelette gekocht. Profi- und
Hobbyköche sowie Gourmets auf der ganzen Welt schätzen diese
Spezialität, die ein typisches Aroma mit ausgeprägter aber dennoch
moderater Schärfe kombiniert (auf unserer Brenn-o-meter-Skala
eine "4")
So
verwundert es nicht, dass sich immer mehr Bauern aus der Region
entschlließen, den begehrten Espelette-Chili anzubauen. Waren es 1997 nur rund 30
Bauern, wuchs diese Zahl bis zum Jahr 2000 bereits auf rund 50, und 2005
sind es rund doppelt so viele. Interessant fanden wir, dass die Tradition
hier erfolgreich an die junge Generation weitergereicht wird - die meisten
Piment-Produzenten sind zwischen 25 und 45 Jahre alt, darunter erfreulich viele
Frauen.
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Die Bauern sind im "Syndicat du Piment
d'Espelette" zusammengeschlossen;
im Bild rechts dessen im Ortszentrum gelegenes Büro. Der erste große Erfolg dieser
Interessen-
vereinigung kam am 1. Juni 2000, als der Espelette-Chili AOC-Status erhielt; im August 2002 kam dann noch Gebietssschutz als "Appellation d'Origine Protégee" (AOP; geschützte Urspungsbezeichnung) dazu.
Gemäss EU-Verordnung sind
AOC und AOP gleichwertig. In der EU wird der Ausdruck AOP verwendet; die
ja manchmal etwas eigenwilligen Franzosen
verwenden aber weiterhin meist AOC, so auch bei Piment d'Espelette.
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Diese
Auszeichnungen sind mit strengen Regeln hinsichtlich Herkunft, Anbau und
Verarbeitung verbunden. Alle dem Syndikat angeschlossenen
Piment-Produzenten verpflichten sich, diese Regeln zu befolgen und jede
Charge vor Verbreitung zertifizieren zu lassen.
Das
per AOC autorisierte Anbaugebiet für Piment
d'Espelette umfaßt
zehn relativ nahe beieinander liegende Dörfer der Region, und zwar Aïnhoa, Cambo-les-Bains, Espelette selbst, Halsou, Itxassou, Jatxou, Larressore, Saint-Pée-sur-Nivelle, Souraïde
und Ustaritz.
Um
die jährliche Ernte zu feiern und ihre Produkte zu präsentieren,
treffen sich die Produzenten aus den zehn Dörfern jedes Jahr zum Fete
du Piment in Espelette.
Mit
dem ausführlichen Bericht über das Fest geht's weiter in Teil
2 !
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